Nicht meine Insel, nicht mein Problem- über gesunde Grenzen in Beziehungen

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Dieses Jahr habe ich eine Beziehungskrise gehabt. Ich habe soviel über Beziehungen gelernt, dass ich einige Learnings mit dir teilen will.

Ein großer Baustein meiner Erkenntnisse von diesem Jahr: Nicht meine Insel. Und während ich auf den Jahreswechsel zugehe, kommt noch folgender Satz hinzu: Nicht mein Problem.

In diesem Artikel möchte ich dir davon erzählen, wie gesunde Grenzen in Liebesbeziehungen vor Allem uns weiblich sozialisierten Menschen mehr Freiheit und Selbstermächtigung schenken können.

1. Zwei Inseln in Kontakt miteinander statt eine verschmolzene Einheit

In Gesprächen mit einer lieben Freundin dieses Jahr und in der Selbstreflektion habe ich herausgefunden, dass ich emotional viel zu tief in die Themen meines Partners gehe. Ich habe mich in seine Themen und Herausforderungen eingemischt, habe meine Nase in Dinge gesteckt, die eher zu Liebeskummer bei mir geführt haben.

In der Reflektion und im Gespräch mit meiner Freundin entstand das Bild von zwei Inseln: Seine Insel und meine Insel. Als Lebenspartner, vor Allem wenn wir mehr miteinander teilen wie Kinder, Finanzen, einen Haushalt, eine Ehe und andere Verantwortlichkeiten, dann kann es sein, dass wir uns in der Vorstellung verlieren, dass wir Eins sind.

Wenn in dieser Einheit dann das Gegenüber eine Energie von unsortiertem Neuanfang in die Einheit einbringt, kann es die ganze Einheit durcheinander bringen. In diesem Prozess war ich dieses Jahr.

Während dieses Prozesses ist in mir und in Gesprächen das Bild von zwei Inseln aufgetaucht. Eigentlich sind wir nicht diese verschweißte Einheit. Wir sind zwei Inseln.

Unglaublich viele Gedanken, um die ich mir Gedanken mache in meiner Liebesbeziehung, sind eigentlich Dinge, Themen und Vorgänge, die auf der Persönlichkeitsinsel meines Partners passieren.

2. Nicht mein Problem- auf dem Weg der Selbstermächtigung

In den letzten Tagen habe ich auf Social Media ein Video entdeckt von einer Frau, die sich ganz cool eine Sonnenbrille aufsetzt und singt „It is not my problem“ von Blur (Song 2). Beim Weggehen steckt sie den Mittelfinger heraus.

Beim Anschauen des Videos habe ich sofort ein Freiheitsgefühl gespürt und es hat endlich Klick gemacht bei mir: Nicht mein Problem, nicht meine Insel.

Als weiblich sozialisierte Menschen sind wir darauf trainiert, uns um 1.000 Themen und Gefühle zu kümmern, die eigentlich nicht unsere Insel sind. In einer Beziehung kann das für beide Partner zu einer Schwere und zu emotionalem Schmerz führen, wenn ich mich in Themen und Herausforderungen meines Partners einmische, sie persönlich nehme, statt stark auf meinem Weg, in meinem Gefühl zur Beziehung zu bleiben.

Nicht mein Problem, nicht meine Insel, ist für mich ein Grundsatz, der zu Selbstermächtigung führt, zu einem Gefühl des Empowerments, der Selbstbestimmung. Warum?

3. Ich bin die Königin meiner Insel

Weil jetzt auch klar ist, dass ich etwas tun kann. Ich muss nicht darauf warten, dass mein Partner endlich seine Insel aufräumt. Ich bin die Königin meiner Insel, vollkommen unabhängig von den Geschehnissen auf der Insel meines Partners. So kann ich beispielsweise im Vertrauen sein auf meine Liebe zu meinem Partner auf meiner Insel, während mein Partner die Freiheit hat, auf seiner Insel neue Dinge auszuprobieren. Das kann unabhängig voneinander passieren.

4. Bau deine Insel, auch in einer Beziehung

Und da jetzt klar ist, wo mein Regierungsbereich ist, kann ich loslegen mit der Gestaltung meines Bereiches in der Beziehung. Ich kann meine Insel ausbauen. Ich kann Häuser bauen, anmalen, einrichten, experimentieren, Dinge in Brand legen und neu erschaffen. Ich kann meine Lieblingsmusik abspielen, tanzen und Beziehungen zu anderen Inseln aufbauen.

Die Möglichkeiten meiner Insel sind unendlich, auch während ich in Kontakt mit einer anderen Insel stehe. 🏝️

Von EVA BEA

🪩 EVA BEA ist Diplom-Künstlerin (HGB Leipzig, Burg Giebichenstein Halle), Autorin und Herausgeberin von evabea.com - wo sie dich schreibend mit auf ihre Seelenreise nimmt als Dreifachmutter, Frau mit ADHS und suchende, vielbegabte Künstlerin des 21.Jahrhunderts.